Besuch beim Gnadenhof Fränkische Schweiz

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Ein Leben für die Tiere

 
Da wir im aktuellen ANBLICK nur eine Doppelseite zur Verfügung hatten, es aber noch viel mehr über den Gnadenhof Fränkische Schweiz zu erzählen gibt, veröffentlichen wir hier die Langfassung des Artikels.
 

Der Gnadenhof Fränkische Schweiz gibt misshandelten, kranken und alleingelassenen Tieren ein Zuhause. Monika Pracht und ihre Mitarbeiter kümmern sich seit vielen Jahren um vernachlässigte Lebewesen, denen ohne ihre Hilfe der Tod gedroht hätte. Ein blinder Hund, Pferde, die zum Schlachter gebracht werden sollten, verletzte Schafe und Ziegen: Sie alle werden auf dem Gnadenhof gepflegt und finden dort ein Leben in Frieden.

Hündin Frieda ist durch eine Diabeteserkrankung erblindet. „Als wir sie bekamen, wog sie 60 Kilo“, erzählt Monika Pracht. Frieda hat 20 Kilogramm abgespeckt und tapfer Operationen über sich ergehen lassen, doch durch zu hohen Augendruck und eine Entzündung verlor sie ihr kurzfristig wiedererlangtes Augenlicht erneut. Ein Auge musste sogar entfernt werden. „Trotzdem ist sie ganz zufrieden und glücklich“, meint Monika Pracht. Frieda ist eine Einzelgängerin und hat daher ein eigenes Zimmer.

Hündin Frieda ist blind, lebt aber recht zufrieden auf dem Gnadenhof.

Hündin Frieda ist blind, lebt aber recht zufrieden auf dem Gnadenhof.

Pferde mit Muskelerkrankungen und Zahnproblemen, ein dreibeiniger Hund, Tiere, die gequält worden sind oder ihren ehemaligen Besitzern einfach nicht mehr genügten: Viele der Bewohner des Gnadenhofs Fränkische Schweiz mussten einiges in ihrem Leben erleiden. „Sie alle stammen aus schlechten Haltungen und waren krank und ängstlich. Hinterher sind die Tiere aber umso dankbarer“, so Monika Pracht. Und diese Dankbarkeit und die Zuneigung ist es, die die 64-Jährige nicht aufgeben lassen: „Es ist ein täglicher Kampf. Wir müssen viele Anfragen ablehnen, weil wir nicht noch mehr Tiere aufnehmen können“, bedauert sie. Die Tiere selbst halten sie aufrecht, auch wenn es manchmal zum Verzweifeln sei, wie Menschen andere Lebewesen behandeln.

Ziegen und Schafe leben auf dem Gnadenhof friedlich zusammen.

Ziegen und Schafe leben auf dem Gnadenhof friedlich zusammen.

Derzeit leben 143 Tiere auf dem Gnadenhof Fränkische Schweiz: Hunde, Katzen, Pferde und Ponys, Wildschweine, Hühner, Enten, Gänse, Vögel, Schafe, Ziegen und ein Chinchilla. Im zwei Kilometer entfernten Nemschenreuth wohnen fünf Kühe, in Obertrubach gibt es seit 2013 die zusätzliche „Seniorenresidenz Katzenglück“ für Wohnungskatzen. „Es wäre mein Wunsch, alle Einrichtungen an einem Ort zu vereinen“, sagt Monika Pracht. Doch ohne Sponsoren bleibt dies ein Traum.

Im Haus hat dieser Papagei eine große Voliere.

Im Haus hat dieser Papagei eine große Voliere.

Die Geschichte des Gnadenhofs begann 1989, als Monika Pracht in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Nürnberger Vereins „Menschen für Tierrechte“ im Rahmen einer Tierschutzkontrolle einen Wanderzirkus in Reichelsdorf besuchte. Dort erblickte sie ein kleines Pony, „gerade sieben Monate alt und so groß wie ein Schäferhund“. Das Fohlen war in einem furchtbaren Zustand, „er hatte faulige Fellzersetzungen und Glasknochen“. Monika Pracht taufte das „hilflose kleine Etwas“ auf den Namen Kleiner Muck und nahm ihn zu sich. Der Tierarzt machte ihr wenig Hoffnung, dass das Tier überleben würde – doch nach einigen Wochen zeigte der Kleine Muck seinen Lebenswillen. Er zog zunächst mit der Ziegendame Momo als Gesellschaft in den großen Garten des Hauses von Monika Pracht und ihrem Mann in Heroldsberg. Elf Tiere besaß die Familie bereits. „Ich sagte zu meinem Mann: Wir müssen wegziehen, das Pony passt auf Dauer nicht in den Garten“, berichtet Monika Pracht. Und so kam es: Monika Pracht entdeckte eine Anzeige in der Zeitung, in der ein „Paradies in Pegnitz“ angeboten wurde, ein Wohnhaus mit einem 13.000 Quadratmeter großen Gartengrundstück. „Bei der Besichtigung wusste ich gleich, wo ich Ställe und alles weitere hinbauen würde. Wir verkauften unser sehr schönes Haus in Heroldsberg und zogen in das weniger schöne, das wir herrichteten.“ Und der Kleine Muck lebt heute noch.

27 Jahre und 900 Tiere

In den 27 Jahren, die der Gnadenhof Fränkische Schweiz nun besteht, hat Monika Pracht fast 900 Tieren einen schönen Lebensabend bereitet und sie in den Tod begleitet. „Mir ist das Allerwichtigste, dass jedem Tier das Gute getan werden kann, das ihm bisher versagt wurde.“ Zunächst investierten Monika Pracht und ihr mittlerweile verstorbener Mann ihr Privatvermögen, „aber das war ruckzuck weg“. Durch Spenden, Patenschaften und einen Förderverein finanziert sich der Gnadenhof Fränkische Schweiz e.V. In den ersten Jahren versorgten Monika Pracht und ihre Tochter 30 bis 40 Tiere allein, inzwischen gibt es vier angestellte Mitarbeiter auf dem Hof, einen im Büro und ehrenamtliche Helfer. Pro Jahr ist eine Summe von durchschnittlich 170.000 Euro vonnöten, um die Kosten zu decken. „In erster Linie sind es die Tierarztkosten, die das meiste Geld auffressen.“

Der Kleine Muck, mit dem alles begann...

Der Kleine Muck, mit dem alles begann…

Für das Elend, in dem manche Tiere leben, macht Monika Pracht auch die Politik verantwortlich: „Wir sind eine Wegwerfgesellschaft, die auch vor Tieren nicht Halt macht. Ein Tier ist wie ein Kind, das sich nicht wehren kann. Es ist ein Verbrechen, wie teilweise mit ihnen umgegangen wird.“ Der Besitzer stirbt, jemand hat ein Tier geschenkt bekommen und möchte es nicht behalten oder ein Pferd ist nicht mehr reitbar – und somit unbrauchbar für den Menschen: Diese Schicksale begegnen Monika Pracht, die seit 40 Jahren vegetarisch und seit zwei Jahren vegan lebt, täglich. Sie versucht, die Tiere, die sie nicht selbst aufnehmen kann, an befreundete Organisationen zu vermitteln. Auch wenn Monika Pracht bisweilen das Gefühl hat, gegen Windmühlen zu kämpfen, ist sie überzeugt: „Ich fühle mich für diesen Weg bestimmt. Der Gnadenhof ist meine Lebensaufgabe.“ Man müsste vieles einstecken, aber tauschen möchte sie mit niemandem: „Ich mache weiter, so lange ich kann.“

Monika Pracht, Gründerin und Betreiberin des Gnadenhofs Fränkische Schweiz.

Monika Pracht, Gründerin und Betreiberin des Gnadenhofs Fränkische Schweiz.

Nemschenreuths „Kuhpapa“

Reinhard Frederking kümmert sich im benachbarten Nemschenreuth um fünf Kühe und ein Pferd. Auf 25.000 Quadratmetern lebt die kleine Tierfamilie. Im vergangenen Herbst zogen zwei Mutterkühe auf das Gelände. Wenige Tage später wurden zwei Kälber geboren, die Reinhard Frederking mit dem Flascheneimer aufzog: Mutterkuh Vroni hatte ein entzündetes Euter und konnte nicht säugen. „Kuhpapa“ Frederking besaß früher einen Reiterhof; auf dem Gelände, auf dem die Kühe nun leben, waren die „ausgemusterten“ Pferde untergebracht, die dort ihr Gnadenbrot bekamen. Mittlerweile hat Reinhard Frederking, Gründungsmitglied des Fördervereins Gnadenhof für Tiere, den Reitbetrieb eingestellt, arbeitet auf dem Gnadenhof mit und kümmert sich mit der Unterstützung seiner gesamten Familie um die Kühe. „Fünf Kühe sind wenig für die Welt, aber für uns sehr viel“, meint Monika Pracht. „Jedes gerettete Leben zählt.“

"Kuhpapa" Reinhard Frederking mit seinen beiden "Flaschenkindern".

“Kuhpapa” Reinhard Frederking mit seinen beiden “Flaschenkindern”.

Um den Tieren das Überleben und ein angenehmes Dasein zu ermöglichen, ist der Gnadenhof Fränkische Schweiz auf Mithilfe angewiesen. Durch Spenden, die Übernahme von Patenschaften und Mitgliedschaft im Förderverein kann Monika Prachts Arbeit unterstützt werden.

Weitere Informationen: www.gnadenhof-fraenkische-schweiz.de

Kontakt:

Gnadenhof Fränkische Schweiz e.V.
Weinstraße 59
91257 Pegnitz / Stein
Telefon: 09241 / 7586
 

Bis Dezember ist der Gnadenhof sonntags von 13 bis 17 Uhr für Besucher geöffnet.

 

Zwei der Ponys genießen die spätherbstlichen Sonnenstrahlen.

Zwei der Ponys genießen die spätherbstlichen Sonnenstrahlen.

 

Ein kurzer Blick - gleich darauf war das gefüllte Heunetz interessanter

Ein kurzer Blick – gleich darauf war das gefüllte Heunetz interessanter.

Spendenkonto:

Förderverein Gnadenhof für Tiere e.V.
Raiffeisenbank Auerbach Freihung eG
IBAN: DE17 7606 9369 0000 3100 00
BIC: GENODEF1AUO

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text und Fotos: Hanna Wild

Grafik: Gnadenhof Fränkische Schweiz

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