Dünger aus Kartoffelschalen

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Studierende der Hochschule Ansbach entwickeln aus Kartoffelschalen einen natürlichen Pflanzendünger. Die Gärtnerei der Diakonie Neuendettelsau unterstützte das Projekt. Jetzt gibt es in der Gärtnerei Feigen-Pflanzen, die mit den Kartoffelschalen gedüngt wurden.

Obst und Gemüse im eigenen Garten anzubauen ist gesund. Dazu finden auch der Aspekt der Nachhaltigkeit und der Verzicht auf chemische Zusätze immer mehr Beachtung. Einige Pflanzen kommen aber ohne Düngemittel nicht aus. Möchten Gärtner trotzdem auf chemischen Dünger verzichten, stehen viele vor einem Problem. “Viele Bio-Dünger sind leider leicht verderblich oder riechen streng”, erklärte der Prof. Dr. Sebastian Künzel von der Hochschule Ansbach. “Denn die natürlichste Form von Bio-Dünger ist neben Kompost vor allem Pferde- oder Rinderdung”, so der Professor. Mit dem wissenschaftlichen Projekt des Studiengangs “Industrielle Biotechnologie” könnte sich das jetzt ändern, denn während des Projekts stießen die Studierenden auf eine Alternative: Kartoffelschalen.

“Als wir den Prozess der Kartoffelschälung untersuchten, ist uns aufgefallen, dass eine große Menge an Abfallprodukten übrig bleibt”, erzählte Prof. Dr. Anke Knoblauch und erläuterte, dass die Reste der Kartoffelschälung normalerweise in Biogasanlagen oder als Tierfutter verwendet werden. “Da die Kartoffeln unseres Projekts aus der konventionellen Landwirtschaft stammten, konnte der Bio-Bauernhof die Schalen nicht verwenden.” Um die “Wertschöpfung” – wie Prof. Knoblauch es nennt – trotzdem zu erhöhen, haben sich die Studierenden überlegt, aus den Kartoffelschalen einen biologischen Dünger herzustellen. “Damit die Kartoffelschalen nicht verderben und lange haltbar bleiben, wurden sie in den Trocknungsanlagen der Hochschule getrocknet”, erzählte Dr. Anke Knoblauch.

Ganz ohne Chemie: die getrockneten Kartoffelschalen düngen die Pflanze und speichern Wasser.

Ganz ohne Chemie: die getrockneten Kartoffelschalen düngen die Pflanze und speichern Wasser.

Dünger und Wasserspeicher in einem

Um sie unter realen Bedingungen an Pflanzen zu testen, fuhren die Studierenden mit ihren Professoren zur Diakonie-Gärtnerei nach Neuendettelsau. “Wir fanden das Projekt spannend und haben gern einige unserer Pflanzen zur Verfügung gestellt”, freute sich Benjamin Weiß, der Leiter der Gärtnerei der Diakonie-Neuendettelsau. Insgesamt 20 Chilipflanzen dienten als Versuchsobjekte. Die Erde von zehn Pflanzen wurde mit den Kartoffelschalen vermischt, die anderen zehn mit nicht gedüngter Erde. Anschließend wurden die Pflanzen unter den gleichen Bedingungen gezogen und beobachtet. Student Christopher Eisen beobachtete die Forschungsobjekte und protokollierten ihre Ergebnisse.

“Besonders überrascht waren wir davon, dass die gedüngten Pflanzen deutlich weniger Trockenstress zeigten”, sagte Prof. Sebastian Künzel. Das könnte bedeuten, dass Kartoffelschalen der Pflanze nicht nur die notwendigen Nährstoffe geben, sondern sogar über einen längeren Zeitraum Wasser speichern können. Um das weiter zu untersuchen, wechselten die Forscher zur Feige, einer robusteren Pflanze. Die Gärtnerei stellte ihnen 40 Feigenbäume zur Verfügung, anhand derer die Studierenden wieder die Düngewirkung und Wasserspeicherfähigkeit der Kartoffelschalen überprüfen konnten. “Auch hier kamen wir auf ähnliche Ergebnisse”, stellten die Professoren fest.

Aktuell werden die Bodenproben ausgewertet. Danach wollen die Studierenden die Wirkung auf die mit Kartoffelschalen gedüngten Pflanzen anhand weiterer Experimente nachweisen. “Die Kartoffelschalen sind sehr anwenderfreundlich. Deswegen hoffen wir, sie irgendwann für Verbraucher anbieten zu können”, so Prof. Anke Knoblauch. Die Möglichkeit, sich von dem Projekt zu überzeugen, bieten die Feigenpflanzen, die ab sofort in der Diakonie-Gärtnerei zum Verkauf angeboten werden.

Die Feigen, die mit den Kartoffelschalen gedüngt wurden, gibt es in der Diakonie-Gärtnerei.

Die Feigen, die mit den Kartoffelschalen gedüngt wurden, gibt es in der Diakonie-Gärtnerei.

Text: Marlene Schmidt, Amanda Müller; Fotos: Diakonie Neuendettelsau/ Amanda Müller

Im oberen Bild sind zu sehen: Student Christopher Eisen, Prof. Dr. Sebastian Künzel, der Leiter der Gärtnerei Benjamin Weiß und Prof. Dr. Anke Knoblauch (v.l.).

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