Flächenfraß in Bayern

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In Deutschland werden Flächen knapp, warnt der Verbraucherservice Bayern (VSB). Seit Ende des Zweiten Weltkriegs werden täglich neue Flächen durch Siedlungen und Verkehrswege überbaut. Allein in Bayern kommt derzeit jeden Tag eine Fläche von 18 Fußballfeldern (13 Hektar) für neue Häuser und Straßen hinzu. Wichtige Bodenfunktionen gehen dadurch dauerhaft verloren – mit gravierenden Folgen für Mensch und Umwelt.

Felder und Wiesen werden zum Neubaugebiet

In Gesamtdeutschland weisen die Gemeinden täglich 66 Hektar neue Wohn- und Gewerbegebiete aus (Stand 2015, Umweltbundesamt). Diese Fläche geht meist zu Lasten von Acker- und Weidegebieten. Am Ortsrand entstehen auf ehemals landwirtschaftlich genutzter Fläche Neubau- und Gewerbegebiete. Diese Praxis soll den Zuzug junger Familien sichern und die Attraktivität für Handel- und Gewerbeansiedlung erhöhen. Für Bayern bedeutet dies eine jährliche Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche in der Größendimension des Ammersees. Diese Fläche ist etwa zur Hälfte versiegelt, d.h. durch Teer, Beton, Gebäude oder anderweitig bedeckt. Der Flächenverbrauch zähle damit zu einem der bedeutendsten Umweltprobleme unserer Zeit, so der VSB.

Folgen der Versiegelung

1)     Verlust für die Nahrungsmittelproduktion

Überbaute Fläche bedeutet einen enormen Eingriff in die natürliche Umwelt. Am augenscheinlichsten ist der direkte Verlust vorher meist landwirtschaftlich genutzter Fläche. Also Fläche die somit für die Nahrungsmittelproduktion nicht mehr zur Verfügung steht. Um die gleiche Menge an Lebensmitteln produzieren zu können, bleibt nur die Intensivierung der Landwirtschaft. Mit all den Folgen wie Monokulturen, stärkeren Düngemittel- und Pestizideinsatz oder Insektensterben.

2)     Eingriff in den Wasserhaushalt

Eine wichtige Bodenfunktion ist die Speicherung von Niederschlägen. Ist der Boden durch Asphalt oder Bebauung abgedichtet, kann kein Wasser mehr aufgenommen werden. Es wird durch die Kanalisation abgeleitet. Folgen können eine Absenkung des Grundwasserspiegels sowie Überschwemmungen bei Stark- oder Dauerregen sein. Im Zuge des Klimawandels muss zunehmend mit solchen Wetterextremen gerechnet werden. Gerade darum ist es wichtig, die Speicherfunktion des Bodens zu erhalten.

3)     Klimagase

Nach den Ozeanen sind die Böden der größte Kohlenstoffspeicher unserer Erde. Insbesondere im Humus wird durch Pflanzen bei der Photosynthese CO2  aus der Atmosphäre im Boden eingelagert. Auch abgestorbene Pflanzen, die im Boden durch Mikroorganismen zersetzt werden, tragen zur Einlagerung bei. Ist der Humus der Luft ausgesetzt, weil der schützende Bewuchs fehlt, wird der eingelagerte Kohlenstoff wieder frei. Das ist beispielsweise bei Umlagerung der Humusschicht im Zuge von Bauarbeiten der Fall.

4)     Überhitzung der Städte

Versiegelter Boden heizt sich stärker auf als Wiesen-, Wald- oder Ackerfläche. Insbesondere in großen Ballungsräumen führt dies zu einer Veränderung des Kleinklimas. In den ohnehin heißen Sommermonaten erhitzen sich Städte noch zusätzlich.

Ökonomische und soziale Folgen des Flächenverbrauchs

Auch in ökonomischer Sicht sei ein stetiger Ausbau immer neuer Siedlungen nicht sinnvoll, mahnt der VSB an. Eine Zersiedelung der Landschaft erfordere einen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. Neben hohem Materialeinsatz müssen Gebäude und Straßen auch instand gehalten werden. Das ist mit hohen Kosten verbunden. Diese Kosten trägt letztendlich der Steuerzahler.

Gerade in Gebieten mit schrumpfender Bevölkerung führe die Neuausweisung von Siedlungs- und Gewerbegebieten zu einer Verödung der Innenstädte. Ehemals zentral gelegene, kleine Geschäfte werden durch große Supermärkte in Ortsrandlagen ersetzt. Zurück bleiben Leerstände in den Ortskernen. Da die deutsche Bevölkerung zunehmend altert, gewinnt eine fußläufig zu erreichende Nahversorgung aber an Bedeutung.

Flächensparen als politisches Ziel

Die Bundesregierung hat den Flächenverbrauch im Rahmen der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie (2005) als drängendes Problem erkannt. Bis zum Jahr 2020 soll der Flächenverbrauch auf 30 ha pro Tag beschränkt werden. Dieses Ziel wird aller Voraussicht nach jedoch verfehlt. Der Flächenverbrauch hat sich seit der Jahrtausendwende (131 ha/Tag) zwar sehr verlangsamt, ist mit 66 ha/Tag im Jahr 2015 aber noch weit entfernt vom 30 ha-Flächenziel. Langfristig fordern Umweltverbände ein sogenanntes Flächenrecycling. D.h. neue Bauvorhaben dürften dann nur auf alten Brachflächen realisiert werden. Die Planungshoheit für Bau- und Gewerbegebiete liegt bei den Kommunen. Es existieren punktuell Bemühungen, den Flächenverbrauch zu reduzieren. Ein gesamtdeutsches Konzept, um den Flächenverbrauch nachhaltig einzudämmen, fehle jedoch, kritisiert der Verbraucherservice Bayern.

Seit dem 8. September 2017 sammelt ein Bündnis aus ÖDP (Ökologisch Demokratische Partei), Bündnis 90 / Die Grünen und  AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) Unterschriften für das Volksbegehren gegen den Flächenfraß in Bayern: http://betonflut-eindaemmen.de

Mehr zum Thema und weiterführende Links gibt es auf der Webseite des VSB, https://www.verbraucherservice-bayern.de/themen/umwelt/flaechenfrass.

Text: VSB, Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

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